Hexe und Räuber
Es waren einmal eine kleine Hexe und ein kleiner Räuber, die sich gut verstanden. Die kleine Hexe war von liebevoller Natur und der kleine Räuber, der immer so böse sein wollte, um seinen Ruf als Räuber zu verteidigen, konnte zu der kleinen Hexe nur nett sein, weil er sie so gerne mochte. Eines Tages allerdings kamen zwei Landstreicher in den Wald. Sie trafen den kleinen Räuber, der sich gerade über einen seiner Beutezüge freute. Einer Gabel, die so silbern glänzte, dass der kleine Räuber vor Freude aufseufzte.
„Hallo kleiner Räuber, was hast du da geklaut?“ Der kleine Räuber schaute verstohlen zu den Landstreichern hinauf und versteckte schnell seine Gabel. „Das geht euch nichts an, ihr Landstreicher. Lasst meinen Schatz in Ruhe.“ „ Den wollen wir doch gar nicht, außerdem haben wir gehört, dass du gar kein richtiger Räuber mehr bist. Viel zu lieb und viel zu nett sollst du geworden sein. Von einem Räuber keine Spur mehr.“ Der kleine Räuber war bestürzt. „ Wer sagt das? Woher wollt ihr das denn wissen? Ich bin immer noch ein Räuber und ich erbeute tolle Schätze und überhaupt bin ich ein Bösewicht!“ rief der kleine Räuber aus. Die Landstreicher sahen sich an und lachten beide laut auf. „ Die kleine Hexe ist Schuld kleiner Räuber, durch sie wirst du viel zu nett, das schadet deinen Ruf und bald wird kein Landstreicher, kein Räuber und kein Dieb mehr nach dir rufen!“ Mit diesen Worten verließen die zwei Landstreicher den kleinen Räuber und lachten noch von weiten über ihn.
Der kleiner Räuber setzte sich auf einen Baumstamm und ihm kullerten die Tränen über die Wangen. „ Wieso sind sie so gemein zu ihm? Warum redete man so über ihn, obwohl doch jeder weiß, dass er schöne Schätze erbeutete?! Und überhaupt, dachte der kleine Räuber ist das nur die Schuld der kleinen Hexe. Sie ist schuld, dass andere Räuber so über mich denken.“
Nach einer Weile kam die kleine Hexe vorbei und sah ihren kleinen Räuber auf dem Baumstamm sitzen. Sofort bemerkte sie, dass der kleine Räuber geweint hatte und setzte sich zu ihm. „ Was ist los mit dir? Geht es dir nicht gut? Wieso bist du so traurig?“ Der kleine Räuber sah die Hexe mit funkelnen Augen an und stieß sie weg. „Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben du doofe kleine Hexe. Geh und sei nett zu wem anderen, aber lass mich in Ruhe! Ich will ein Räuber sein, will böse sein und nicht nett zu kleinen Hexen sein!“ Die kleine Hexe war erschrocken. Still stand sie vor dem kleinen Räuber und Tränen rannen ihr still von der Wange. Ohne ein Wort verschränkte sie die Arme und blinzelte zweimal; schwups war sie verschwunden und der kleine Räuber blieb allein zurück. Seine Wangen waren errötet, weil er sich in Rage geredet hatte und seine Hände zitterten. „ Wer braucht schon die kleine Hexe, dachte er trotzig und merkte, wie sein Herz anfing zu schmerzen. Die nächsten Tage ging der kleine Räuber auf Raubzug und stahl noch mehr Gabeln und Messer und Löffel, die alles so schön funkelten. Von Tag zu Tag wurde der kleine Räuber jedoch trauriger. Er vermisste die kleine Hexe und sein Herz schmerzte immer ihm immer mehr.
So vergingen Tage und Monate, als der kleine Räuber wieder auf die Landstreicher von damals traf. „Hallo kleiner Räuber, wie geht es dir? Wieso siehst du so traurig aus?“ Der kleine Räuber antwortete nicht und drehte sich weg. Er wollte nicht mal zeigen, wie viele neue Schätze er gesammelt hatte. Die Landstreicher sahen sich an und zuckten mit den Schultern. „Ist es etwa wegen der kleinen Hexe? Da wollten wir dich doch nur aufziehen!“ Der kleine Räuber drehte sich um und sah die Landstreicher mit großen Augen an, wieder merkte er ein starkes Stechen in seinem Herzen. „ Na nun schau nicht so, keiner hat was gegen die kleine Hexe, sie ist so liebenswürdig, dass auch ein Räuber, Landstreicher oder Dieb glücklich wäre, wenn er mit der kleinen Hexe befreundet wäre. Das du auch alles so ernst nehmen musst.“ Die Landstreicher lachten wieder herzlich und zogen weiter. Der kleine Räuber blieb wieder zurück. Sein Herz schmerzte so stark, dass er es sich mit beiden Händen festhalten musste. Er fing an zu weinen und jammerte: „ Meine kleine Hexe, wie konnte ich dich nur so behandeln? Jetzt bist du weg und ich vermisse dich doch so meine kleine Hexe, komm doch zurück zu mir.“
Plötzlich saß die kleine Hexe neben dem kleinen Räuber und berührte seine Hand. „Mein kleiner Räuber, sei nicht traurig, ich bin hier und bin für dich da. Ich werde immer für dich da sein.“ Der kleine Räuber merkte, wie sein Herz sich entspannte und der Schmerz nachlies. „Meine kleine Hexe, schluchzte er, ich habe dich so lieb bitte verzeih mir, dass ich dich weggestoßen habe.“ Die kleine Hexe gab dem kleinen Räuber einen Kuss auf die Stirn und ab da waren die zwei wieder Freunde. Keiner konnte sich mehr zwischen sie stellen. Natürlich raubte der kleiner Räuber auch weiterhin Besteck, was doch so schön funkelte, aber die kleine Hexe hexte hinter dem kleinen Räuber her und sorgte dafür, dass keiner einen Verlust bemerkte.
……und wenn sie nicht gestorben sind, dann hexen und stehlen sie noch heute!