Geheimnisse
Wenn ich an der Arbeit sitze, im Cafe oder abends mit Freunden beim Wein, wenn ich mit meinem Freund rede oder mit meiner Familie, bekomme ich täglich mit wie Geheimnisse um jede nur erdenkliche Person schleichen.
Sie schimmern in allen Farben und suchen sich durch den Weg von Augenkontakt, Mimik, Gestik und Stimmlagen bis hin zu mir. Sie ziehen mich magisch an diese Geheimnisse, ob ich es möchte oder nicht.
Manchmal komme ich mir vor wie die Tante von Gost Wisperer die immer die Toten hört, nur das es bei mir die Geheimnisse sind. Letztens saß ich im Sprechzimmer von meinem Zahnarzt und außer mir nur noch ein Patient. Ich schlage meine Brigitte auf, man freut sich als Frau ja immer über Mädelszeitschriften, da fängt mein Gegenüber an zu schluchzen erst ganz leise, dann immer lauter. Langsam nehme ich meine Zeitschrift runter und stiele ganz vorsichtig rüber. Es ist also wie immer! Ich hole ein Taschentuch aus meinem Rucksack und reiche es vorsichtig rüber und bekomme ein *schluchz * „vielen Dank“ zurück. Wir schauen uns einen Moment an und ihre Geheimnisse umgeben mich. Sie erzählt mir, dass sie mich nicht belästigen möchte, aber dass es ihr so vorkommt als könnte ich ein Geheimnis für mich bewahren und erzählt mir, dass sie ihren Mann fast betrogen hätte mit dessen besten Freund. Sie seien alle schon ewig befreundet und plötzlich wäre der Funken übergesprungen und sie völlig aus der Fassung gewesen. In letzter Sekunde habe sie sich gefangen und sei nun gefangen in Alpträumen von ihrem Mann und dessen besten Freund und ihrem schlechten Gewissen und sie wüsste nicht was sie tun soll, da sie sich einerseits hingezogen fühlt und auf der anderen Seite Bestehendes nicht zerstören möchte. Ich nicke verständnisvoll wie immer und sie redet weiter. Eine Sprechstundenhilfe kommt seit ca. einer halben Stunde schon nicht mehr in den Raum als würde das Geheimnis der Frau die Tür verschließen bis sie mir alles erzählt hat. Nachdem sie fertig ist mit reden schaut sie mich an und bedankt sich für das freundliche Gespräch und das es ihr jetzt ein bisschen peinlich sei das alles mir „einer Fremden“ erzählt zu haben. Aber eigentlich ist es ihr nicht peinlich, sie sagt es nur so wie alle anderen auch, um sich selbst zu erklären, wieso sie sich einer wildfremden Person in einem Wartezimmer anvertraut hat. So geht es mir täglich mit den Geheimnissen und den Ohnmachten der Menschen, die lange kein Medium finden, dem sie sich für einen Augenblick annehmen können.
Hexe und Räuber
Es waren einmal eine kleine Hexe und ein kleiner Räuber, die sich gut verstanden. Die kleine Hexe war von liebevoller Natur und der kleine Räuber, der immer so böse sein wollte, um seinen Ruf als Räuber zu verteidigen, konnte zu der kleinen Hexe nur nett sein, weil er sie so gerne mochte. Eines Tages allerdings kamen zwei Landstreicher in den Wald. Sie trafen den kleinen Räuber, der sich gerade über einen seiner Beutezüge freute. Einer Gabel, die so silbern glänzte, dass der kleine Räuber vor Freude aufseufzte.
„Hallo kleiner Räuber, was hast du da geklaut?“ Der kleine Räuber schaute verstohlen zu den Landstreichern hinauf und versteckte schnell seine Gabel. „Das geht euch nichts an, ihr Landstreicher. Lasst meinen Schatz in Ruhe.“ „ Den wollen wir doch gar nicht, außerdem haben wir gehört, dass du gar kein richtiger Räuber mehr bist. Viel zu lieb und viel zu nett sollst du geworden sein. Von einem Räuber keine Spur mehr.“ Der kleine Räuber war bestürzt. „ Wer sagt das? Woher wollt ihr das denn wissen? Ich bin immer noch ein Räuber und ich erbeute tolle Schätze und überhaupt bin ich ein Bösewicht!“ rief der kleine Räuber aus. Die Landstreicher sahen sich an und lachten beide laut auf. „ Die kleine Hexe ist Schuld kleiner Räuber, durch sie wirst du viel zu nett, das schadet deinen Ruf und bald wird kein Landstreicher, kein Räuber und kein Dieb mehr nach dir rufen!“ Mit diesen Worten verließen die zwei Landstreicher den kleinen Räuber und lachten noch von weiten über ihn.
Der kleiner Räuber setzte sich auf einen Baumstamm und ihm kullerten die Tränen über die Wangen. „ Wieso sind sie so gemein zu ihm? Warum redete man so über ihn, obwohl doch jeder weiß, dass er schöne Schätze erbeutete?! Und überhaupt, dachte der kleine Räuber ist das nur die Schuld der kleinen Hexe. Sie ist schuld, dass andere Räuber so über mich denken.“
Nach einer Weile kam die kleine Hexe vorbei und sah ihren kleinen Räuber auf dem Baumstamm sitzen. Sofort bemerkte sie, dass der kleine Räuber geweint hatte und setzte sich zu ihm. „ Was ist los mit dir? Geht es dir nicht gut? Wieso bist du so traurig?“ Der kleine Räuber sah die Hexe mit funkelnen Augen an und stieß sie weg. „Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben du doofe kleine Hexe. Geh und sei nett zu wem anderen, aber lass mich in Ruhe! Ich will ein Räuber sein, will böse sein und nicht nett zu kleinen Hexen sein!“ Die kleine Hexe war erschrocken. Still stand sie vor dem kleinen Räuber und Tränen rannen ihr still von der Wange. Ohne ein Wort verschränkte sie die Arme und blinzelte zweimal; schwups war sie verschwunden und der kleine Räuber blieb allein zurück. Seine Wangen waren errötet, weil er sich in Rage geredet hatte und seine Hände zitterten. „ Wer braucht schon die kleine Hexe, dachte er trotzig und merkte, wie sein Herz anfing zu schmerzen. Die nächsten Tage ging der kleine Räuber auf Raubzug und stahl noch mehr Gabeln und Messer und Löffel, die alles so schön funkelten. Von Tag zu Tag wurde der kleine Räuber jedoch trauriger. Er vermisste die kleine Hexe und sein Herz schmerzte immer ihm immer mehr.
So vergingen Tage und Monate, als der kleine Räuber wieder auf die Landstreicher von damals traf. „Hallo kleiner Räuber, wie geht es dir? Wieso siehst du so traurig aus?“ Der kleine Räuber antwortete nicht und drehte sich weg. Er wollte nicht mal zeigen, wie viele neue Schätze er gesammelt hatte. Die Landstreicher sahen sich an und zuckten mit den Schultern. „Ist es etwa wegen der kleinen Hexe? Da wollten wir dich doch nur aufziehen!“ Der kleine Räuber drehte sich um und sah die Landstreicher mit großen Augen an, wieder merkte er ein starkes Stechen in seinem Herzen. „ Na nun schau nicht so, keiner hat was gegen die kleine Hexe, sie ist so liebenswürdig, dass auch ein Räuber, Landstreicher oder Dieb glücklich wäre, wenn er mit der kleinen Hexe befreundet wäre. Das du auch alles so ernst nehmen musst.“ Die Landstreicher lachten wieder herzlich und zogen weiter. Der kleine Räuber blieb wieder zurück. Sein Herz schmerzte so stark, dass er es sich mit beiden Händen festhalten musste. Er fing an zu weinen und jammerte: „ Meine kleine Hexe, wie konnte ich dich nur so behandeln? Jetzt bist du weg und ich vermisse dich doch so meine kleine Hexe, komm doch zurück zu mir.“
Plötzlich saß die kleine Hexe neben dem kleinen Räuber und berührte seine Hand. „Mein kleiner Räuber, sei nicht traurig, ich bin hier und bin für dich da. Ich werde immer für dich da sein.“ Der kleine Räuber merkte, wie sein Herz sich entspannte und der Schmerz nachlies. „Meine kleine Hexe, schluchzte er, ich habe dich so lieb bitte verzeih mir, dass ich dich weggestoßen habe.“ Die kleine Hexe gab dem kleinen Räuber einen Kuss auf die Stirn und ab da waren die zwei wieder Freunde. Keiner konnte sich mehr zwischen sie stellen. Natürlich raubte der kleiner Räuber auch weiterhin Besteck, was doch so schön funkelte, aber die kleine Hexe hexte hinter dem kleinen Räuber her und sorgte dafür, dass keiner einen Verlust bemerkte.
……und wenn sie nicht gestorben sind, dann hexen und stehlen sie noch heute!
Geliebtes Wesen
dein Duft
an meiner Jacke
ich atme ihn
er verbindet mich
mit dir
und ich atme ein
und atme tiefer
und ich atme
so tief ich kann
nehme dich auf
nehme dich an
ich komme zu dir
in Gedanken jetzt
und bald auf lange Zeit
weil ich weiß
dass es bei dir ist
wohin ich
gehören will
ich bin bei dir
immer und
in jedem Augenblick
weil mein Wesen
weil meine Seele
sich mit dir verbunden hat
treu und vertrauend
dankbar und annehmend
geduldig und ahnend
gespannt auf uns…
lächelnd bin ich
glücklich
weiß dieses Glück
zu schätzen
als das höchste Gut
als ein himmlisches Geschenk
wir sind so reich beschenkt!
Stein auf Stein
bauen wir an uns
und unserem Leben
wir haben nicht aufgegeben
wo andere schon beginnen
aneinander vorbei zu gehen
und in die Leere zu sehen
wir ebnen uns
Stück für Stück
die Wege
die wir brauchen
zum Glück
jeder Augenblick mit dir
trägt mich
jedes Zusammensein mit dir
nährt mich
ich fühle mich
ganz mit dir
endlich ganz sein
endlich ganz bei dir sein